Freimaurerei - was ist das?
Sanduhr

 

Die folgende Beschreibung soll Ihnen ein Bild über die Freimaurerei von ihren Anfängen bis heute vermitteln. Dieser Überblick kann jedoch nicht allumfassend sein. Er soll Ihnen als Erstinformation dienen mit

seiner Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten,

seinem Brauchtum und seiner Organisation

sowie seiner Aufgabenstellung.

 

Seine ethischen und moralischen Ziele sind heute noch so gültig, wie sie es vor fast 300 Jahren waren und werden mit den Begriffen Menschenliebe, Brüderlichkeit und Toleranz beschrieben. Zweifellos Vorgaben, zu denen sich viele Menschen bekennen.

 

Dennoch stehen viele Mitbürgerinnen und Mitbürger dieser Freimaurerei skeptisch und mit Vorurteilen behaftet gegenüber.

 

Woher kommt das?

Im Laufe von Jahrhunderten ist sicher viel Gutes, aber auch viel Schlechtes über das Freimaurertum gesagt und geschrieben worden. Das gilt insbesondere für unser Vaterland. Hierzu darf z.B. an die braunen Machthaber mit ihren üblen Verleumdungen, rechtwidrigen Enteignungen und verbrecherischen Verfolgungen, denen auch Freimaurer im so genannten Dritten Reich ausgesetzt waren.

 

Bleiben wir zunächst beim Guten.

Von Goethe, der Freimaurer war, stammt der bekannte Satz:

"Man kann jede Institution verteidigen und rühmen, wenn man an ihre Anfänge erinnert und darzutun weiß, dass alles, was von ihr im Anfang gegolten, auch jetzt noch gelte".

 

Wenn sich heute ca. sechs Millionen Menschen weltweit, in der BRD etwa 15.000 Männer und Frauen zu dieser Idee und Institution bekennen (1933 waren es über 80.000 in 433 Logen), so bestätigt das diese Vorgaben und damit Goethes Aussage.

Über Wesen, Zweck und Ziel lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

"Jeder Freimaurer verpflichtet sich, nach Wahrheit, Selbstkritik, Menschenliebe und Duldsamkeit zu streben."

Sie setzen sich somit für ein Bestreben von Ethik und Moral ein, sind gegen Fanatismus und Totalitarismus und treten ein für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben in Ehrfurcht vor dem Allmächtigen, den sie als den ‘Großen Baumeister aller Welten’ bezeichnen und seiner Schöpfung.

 

Wo liegen die Wurzeln dieser Freimaurer?

Ihre Ursprünge verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Darüber finden sich keine Aufzeichnungen. Doch mit dem Ende der großen Dombauten fanden sich freie Männer von gutem Ruf zusammen, um sich zunehmend mit naturphilosophischen Themen zu beschäftigen. Sie öffneten sich und ihre Zusammenkünfte auch Männern, die nicht ihrer Steinmetzzunft angehörten und gründeten 1717 die erste Großloge der Freimaurer in London. Damit kann mit Sicherheit festgestellt werden, dass die moderne Freimaurerei aus den alten Baugenossenschaften des Mittelalters und der Renaissance hervorgegangen ist. Spuren dieser Berufsgruppen, insbesondere des Bauhandwerks, finden sich bei den Ägyptern, wo die am Bau der Pyramiden Beschäftigen mit ihren Familienmitgliedern in eigens angelegten Siedlungen mit Schulen und ärztlicher Versorgung lebten. Diese Bausiedlungen nannte man "Ort der Wahrheit", eine Bezeichnung, die man allgemein auch für die Tempel verwendete. Bei den Griechen und vor allem bei den Römern. Die collegia der Handwerker, darunter die der Tignarii, der Zimmerer und der Fabrororum, den Korporationen der Bauleute, wurden durch den König Numa Pompilius, der zweite König des Römischen Reiches, um 715 vor Christus geschaffen.

 

Diese waren nicht nur reine Berufsgenossenschaften, denn bei den Römern waren alle Bereiche des Lebens von religiösen Bindungen begleitet. Vor allem die Arbeit hatte einen heiligmäßigen Charakter, denn sie war ein Bild der Schöpfung der Menschen und der Dinge durch die Göttlichkeit. Ohne deren Beihilfe konnte der Mensch nichts hervorbringen, am wenigsten im Bereich der Architektur, die ein Höchstmaß an Wissen, Kunst und Talent erforderte. In diesem Sinne waren die römischen collegia religiös orientiert und in kulturellen Formen organisiert. Sie hatten ihre Schutzgeister, heilige rituelle Gesten und Zeichen, aber auch Erkennungszeichen zum Schutz gegen ein Ausspähen ihrer Werkgeheimnisse.

 

Wie die Baukunst selbst, waren auch diese Kultformen von anderen höher entwickelten Völkern, wie den Griechen, Persern, Ägyptern und Syrern beeinflusst worden. Hierbei muss man besonders an die Mysterienkulte oder -bünde denken, die ja die weit verbreitete volkstümliche Religionsform waren. Am bekanntesten sind die Eleusinischen Mysterien geworden. Der göttliche Bereich der Erkenntnis konnte nur durch eine symbolische und geheime rituelle Initiation erreicht werden und blieb so dem Profanen unzugänglich. Das Handwerk war Tugendlehre und Lebensregel zugleich.

 

Wie alle römischen Einrichtungen verbreiteten sich die collegia im Zuge der Eroberungen über das ganze Reich. Man findet sie in der Provence und auch in England. Später traten an Stelle der Schutzgötter die neuen Heiligen, und der christliche Symbolismus verschmolz mit dem Überkommenen. Mit Beginn der Feudalherrschaft bestand für diese Berufsgenossenschaften kein rechtlicher Raum mehr und ihre Angehörigen zogen sich meist in Klöster zurück.

 

Vom 6. bis 9. Jahrhundert waren in den Bauhütten nur Mönche tätig. Benediktiner und Zisterzienser. Erst später kamen Zimmerleute, die keine Ordensbrüder waren, hinzu.

Vom 11. und 12. Jahrhundert an finden wir den Beginn einer gesellschaftlichen Umwälzung. Die Handwerker ziehen in die befestigen Städte. Die Züge der Normannen fördern den Handel über große Entfernungen. Auch die Kreuzzüge trugen zu einem Denken und Handeln in größeren geografischen Zusammenhängen bei. Die Städte erkämpften ihre Unabhängigkeit und zeigten ihren Stolz in den Türmen und Kathedralen, die sie errichten ließen und die zugleich Stätten des Gebets und als Treffpunkt der Menschen dienten.

 

Außerhalb der Klöster bildeten sich neue Formen der Berufszusammenschlüsse, wie die Bruderschaften der Bauhütten. Ihre Befugnisse wurden durch bürgerliche oder adelige Oberherrschaft geregelt und sie hatten bestimmte Privilegien. In Deutschland ist die Zunft der Steinmetze, die das ganze Baugewerbe umfasste, durch ihre Kirchenbautätigkeit berühmt geworden. Hierzu zählen u.a. der größte Kirchenbau der deutschen Hochgotik, der Kölner Dom mit den zwei 156 Meter hohen Türmen, der 1248 begonnen, mit Unterbrechungen bis 1516 weitergeführt und schließlich von 1842 bis 1880 fertig gestellt wurde.

Ein weiteres Beispiel ist der Bau der Pariser Kathedrale "Notre Dame". Der Bau begann 1163 und wurde 1330 unvollendet abgeschlossen.

 

Als man zunehmend Königspaläste errichtete und der Hochadel zum Auftraggeber wurde, entstand auch die Bezeichnung von der "Königlichen Kunst" und noch heute sprechen die Steinmetze von der Königsklasse.

 

Die früheren Steinmetz-Bruderschaften setzen sich meist aus mehreren Bauhütten zusammen. Und die mittelalterlichen Bauleute waren bemüht, ihr geistiges Gut vor den Profanen zu schützen. Sie überlieferten alles im mündlichen Verfahren - oft in einprägsamen Lehrgedichten - an ihre Mitglieder. Dazu ist das so genannte Regiusgedicht aus dem Jahre 1389 erhalten.

 

Als im Jahre 1553 Heinrich VIII von England den Bruch mit der katholischen Kirche in Rom vollzog, folgt die die Einstellung der Dombauten, die Herrlichkeit der Werkmaurer erlosch und das Logenleben stagnierte. In England wurden sie bereits 1376 als freemasons bezeichnet. Erstmals ist dieser Begriff von der "Masons Company of the City of London" erwähnt, der auf den franz. Begriff macons de fraunche pere = Freistein-Maurer bezieht, womit man nicht die eigentlichen Mauer, vielmehr die Steinmetze bezeichnete.

 

Nach den Religionskriegen, wie der 30jährige Krieg, der etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung Deutschlands dahinraffte, kam es in breiten Schichten der Bevölkerung zu einem Umdenken. Von einem Söldner namens Peter Hafendorf, dessen handgeschriebenes Tagebuch man erst vor einigen Jahren in einem Stadtarchiv entdeckte, ist nachzulesen, dass z.B. in der Stadt Magdeburg von den damals 35.000 Bewohnern alle bis auf 449 ermordet, verbrannt oder verstümmelt wurden. Man vergewaltigte Mädchen und Frauen, schändete Kinder und legte die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Lediglich die Kirche und das Kloster blieben verschont. Ausführlich berichtet auch der Zeitzeuge Daniel Friese, der als 6-Jähriger mit seinen Eltern aus der Gefangenschaft der Besatzer fliehen konnte, über diese Gräueltaten.

Der Westfälische Frieden von 1648 und das Ende der Religionskriege führten in dem aufstrebenden Bürgertum zum Durchbruch von vorurteilsfreien und freiheitlichen Ideen. Durch die furchtbaren Wirren dieses Krieges ist Deutschlands eigene Kultur zugrunde gegangen und blieb in der Folgezeit um 75 bis 100 Jahre hinter den Kulturen anderer Länder zurück.

 

In diesem Zusammenhang ist auf die Inquisition, die noch im 17. Jahrhundert wütete und insgesamt in Europa etwa 60.000 Menschen, überwiegend Frauen, in den Tod führte. Vor allem von der katholischen aber auch von der protestantischen Kirche verfolgte man sie als Hexen. 1786 wurde in der Schweiz die letzte Hexe öffentlich verbrannt. Dem Hexenwahn fielen im Jahre 1712 nachweislich selbst Kinder zum Opfer.

 

Die Bürger Europas waren zum Ende des 16. Jahrhunderts aufgewühlt, und es breitete sich bei den Menschen eine tiefe Sehnsucht nach einer brüderlichen Gesellschaft aus. Neue Gesellschaftsschichten entstanden und die Vorrechte des Adels fanden Einschränkungen. Der Liberalismus vermittelte Bildung und Erziehung als Werte der Gleichberechtigung. Es war für die Endzeit des Mittelalters bedeutend, dass man sich gegen jede Form von geistiger, politischer, religiöser und wirtschaftlicher Unterdrückung auflehnte.

 

In diesem Zusammenhang darf auch an die nachhaltige Verfolgung der Hugenotten verwiesen werden, insbesondere in der zweiten Hälfte des 16. Jh. in Frankreich. Es waren katholische Anhänger, die 30.000 Menschen hinrichteten. 250.000 wanderten vorwiegend nach Brandenburg/Preußen aus. Ihre Verfolgung war darin allein begründet, dass sie eine Trennung von Kirche und Staat forderten.

 

Der Begriff "Aufklärung" wird als Epochenbezeichnung für das 17./18. Jahrhundert und für die neuen Erkenntnisse in dieser Zeit verwendet. Im Englischen nennt man diesen Begriff "enlightment", im Französischen "Les Lumières" oder im Italienischen "illuminismo", was mit "Erleuchtung" übersetzt werden kann. Man gab den religiösen Zwang, die willkürliche Herrschaft von Fürsten und die Unterdrückung der Untertanen auf und setzte auf Vernunft und Wissenschaft als neue Richtlinien. Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sollten für jeden Menschen gleichermaßen gelten.

 

Die französischen Philosophen Denis Diderot (1713-1884) und Jean Le Rond d’Alembert (1717-1783) sammelten diese Ideen der Aufklärung und veröffentlichten sie in einem vielbändigen Werk.

Dabei nahm der französische Philosoph und Schriftsteller Francois Marie Voltaire (1694-1778) eine Schlüsselfigur ein. In seinen Schriften wandte er sich gegen religiöse Unfreiheit, rückständige Regierungen und Herrscher.

 

Moses Mendelson (1729-1786), der jüd. Philosoph, war ein Hauptvertreter der Aufklärung, der religiösen Toleranz und Gleichberechtigung, lebte in Berlin und stand mit Lessing und Kant im Briefwechsel.

In England veröffentliche der englische Aufklärer John Locke (1632-1704) seine Toleranzgedanken. Der schottische Staatsrechtler und Philosoph David Hume (1711-1776) stellte den mönchischen Tugenden des Mittelalters die bürgerlichen Tugenden der Humanität, des Wohlwollens und der Freundschaft gegenüber.

 

Diese Gedanken fanden dann Eingang in einigen schottischen und englischen Bauhütten (engl. Lodges = dt. Logen), als sie aufgeklärte Männer und Adelige als fördernde Mitglieder (Gentleman masons oder accepted masons = also angenommene Maurer) aufnahmen. In diesen Logen verbanden sich erstmals Menschen über religiöse, politische und soziale Grenzen hinweg zu einer Bruderschaft. Und darin erkennen wir die unmittelbaren Vorläufer der heutigen Freimaurer. Sie leiteten damit eine Entwicklung ein, die zu einer allmählichen Umwandlung von Bauhütten zu Gemeinschaften führte.

 

Sie gaben das Bauhandwerk auf und begannen mit einem geistigen Bau. Aus alten Dokumenten ist ersichtlich, dass sie ihre Zunftgebräuche beibehielten, wozu auch die karitativen Verpflichtungen für Invaliden, Witwen und Waisen gehörten. Die Logen wurde zu einem Hort der Toleranz und Brüderlichkeit sowie für freies Denkens und Forschen. Wie schon angedeutet entwickelte sich die Freimaurerei zu einer geistigethischen Bewegung. Dass diese Entwicklung schon viel früher begann, lässt sich 1641 nachweisen, wo man in der ältesten Loge Schottlands, genannt "Mary‘s Chapel", Sir Robert Moray, der Quartiermeister der schottischen Armee als Nichtmaurer zum Ehrenmitglied ernannte. Eine weitere Besonderheit der Gilde ist in den Rechnungsbüchern von 1650 nachzulesen, in der erstmals "Accepted Masons", d. h. angenommene Maurer, bzw. Steinmetze aufgeführt sind. Zu einem verstärkten Zulauf in den Logen dürfte der Großbrand vom 2. September 1666 von London geführt haben, wo Tausende von Werkmaurern zum Wiederaufbau in die Stadt kamen. Damals waren allein 85 Kirchen dem Feuer zum Opfer gefallen.

 

Der Übergang von der reinen Werkmaurerei, der so genannten operativen zur spekulativen, einer in reinen Begriffen denkenden und arbeitenden also, war somit fließend.

Aus England ist aus dem 17. Jahrhundert bekannt, dass dort viele sog. "accepted" oder "Gentleman Freemasons", die das Steinmetzhandwerk nicht ausübten, den Freimaurerelogen beitraten. Diese Logen waren weit verbreitet. Zu den um Aufnahme Ersuchenden gehörten u.a. auch Altertumsforscher und solche, die dachten, dass dort die Geheimnisse der alten Mysterien verwahrt wurden. Nach den großen Bauaktivitäten in London im Jahre 1666, insbesondere nach Abschluss der Umbaumaßnahmen der St. Pauls Kathedrale durch Sir Christopher Wren, verschlechterte sich die Auftragslage und viele Freimaurer mussten auf der Suche nach Arbeit London wieder verlassen.

 

Aufgrund der dadurch verminderten Mitgliederzahlen spalteten sich vier Logen, deren Mitglieder hauptsächlich aus "Gentleman Freemasons" bestanden, von ihren operativen Brüdern ab.

Diesen Prozess besiegelte schließlich am 24. Juni 1717 die Gründung der ersten Großloge von London und Westminster, wodurch sich die Freimaurerlogen zu Gesellschaften entwickelten, in denen ein einheitlicher Glaube nicht mehr Voraussetzung für eine Mitgliedschaft war, ebenso wenig wie die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stand, einer bestimmten Rasse oder politischen Partei.

Ausgehend von dieser Großloge verbreitete sich die spekulative Freimaurerei über die ganze Welt. Im Jahr 1813 schloss sie sich mit der „Grand Lodge of the Ancients” zusammen und war seit dieser Zeit unter dem Namen "United Grand Lodge" bekannt.

 

Sie sehen, dieser Männerbund ist eine der ältesten Institutionen, wenn man von den Klöstern absieht. Und wenn es nun - trotz der wechselhaften Geschichte der vergangenen Jahrhunderte - in der nahezu zwölften Generation - immer noch diese Freimaurerei gibt, spricht diese Tatsache für sich.

 

In unzähligen Publikationen in den verschiedenen Medien ist heute nahezu alles über die Freimaurerei nachzulesen, historisch Gesichertes, aber auch frei Erfundenes.

 

Nun zu der häufig gesellten Frage: Gibt es in der Freimaurerei ein Geheimnis?

Hierzu ein kurzer Rückblick in das Brauchtum:

Folgen Sie mir nach England, in die Zeit des 15. Jahrhunderts. Wir stehen vor einem halbfertigen Dom. Daneben im Vordergrund eine Bauhütte, ähnlich, wie die heutigen Baubaracken aussehen. In dieser Bauhütte, im engl. lodge genannt, spricht der Zunftmeister zwei seiner Lehrlinge frei. Dabei sagte er etwa:

"Ihr habt Eure Zeit gedient, ich war mit Euren Leistungen zufrieden, nun müsst Ihr auf Wanderschaft gehen. Ich gebe Euch den wohlverdienten Zehrpfennig und noch etwas sehr Wichtiges ’das Zeichen, das Wort und den Griff’. Damit könnt Ihr Euch ausweisen, Ihr kommt von unserer Zunft und werdet dadurch auch Arbeit finden."

 

Da zu dieser Zeit das Schreiben und Lesen nur von einer Minderheit beherrscht wurde, bediente man sich von Alters her bestimmter Worte, Zeichen und Griffe. Um sich als Zunftangehöriger auszuweisen und auch den Grad, z.B. Lehrling oder Geselle nachzuweisen, waren diese streng geheim.

 

Ist das das Geheimnis in der Freimaurerei?

Sicher nicht! Geheimnisse bewahren, einer Schweigepflicht nachkommen, ist nichts Neues. Denken Sie an den Staat, den Beamten, den Arzt, den Rechtsanwalt oder an das Beichtgeheimnis. Aber auch in Ihrem privaten Bereich wird es Dinge geben, die nicht in die Öffentlichkeit hinausposaunt werden.

Zum Wesen einer geheimen Gesellschaft zählt als Voraussetzung, dass ihre Existenz und ihr Zweck absolut verborgen bleiben und keinesfalls in die Öffentlichkeit dringen. Das kennen wir von Verbrechersyndikaten, wie der Mafia, Camorra oder von Rauschgift- und Terroristenorganisationen.

Für die Freimaurerei ist das alles unsinnig und unzutreffend, denn ihre Vereine, die sie Logen nennen, sind mit demokratischen Satzungen ausgestattet, die meist bei den zuständigen Vereinsregistern der Amtsgerichte aufliegen und somit eingesehen werden können. Auch die Wahlergebnisse mit den namentlichen aufgeführten Verantwortlichen werden - wie bei allen anderen eingetragenen Vereinen auch - gemeldet.

 

Von einem Geheimnis bleibt somit keine Rede!

Es gibt jedoch in jedem Brauchtum Handlungen, über die man nicht öffentlich spricht und deren Sinn ein Außenstehender, würde er an einer dieser Vereinsversammlungen teilnehmen, nicht verstehen könnte.

Kenner nennen das eine geschlossene Gesellschaft der offenen Herzen.

Geschlossenheit finden Sie in jeder Vereinigung, sei sie künstlerisch, sportlich und ganz besonders bei einer politischen.

So spielt auch die Verschwiegenheit in der Freimaurerei eine Rolle, die auf ein gegenseitiges Vertrauen aufbaut.

 

Zum Brauchtum in der Freimaurerei zählt auch die Mystik und Symbolik. Symbol umschreibt ein Wahrzeichen, ein Sinnbild. Die Sinnbilder in der Freimaurerei leiten sich zum größten Teil von den Werkzeugen aus dem Bauhandwerk ab. Auch hat sich in sehr differenzierter Form der Ablauf einer rituellen Handlung ausgebildet, der in traditioneller Art und Weise noch heute so ausgeübt und vollzogen wird. Dieser Ablauf einer zeremoniellen Arbeit findet an einem Versammlungsort statt, den die Freimaurer Tempel nennen.

 

Damit erinnern sie an den Tempel des König Salomo, der zu seiner Zeit als der vollkommenste galt. Der Freimaurer wird dabei selbst zu einem Baustein, der sich in den großen Bau des Menschheitstempels einbringt.

 

Dabei wird die geistige Verwandtschaft zu den Mysterienkulten des Altertums deutlich. Diese geistige Art zu leben besitzt heute noch genau so viel Gültigkeit wie damals. Alle Mysterienkulte, wie der eleusinische, die Pythagoräer, Essener, Isis- und Osiriskulte, waren Männerbünde und führen uns ins vorderasiatische Altertum zurück. Ihre Subjektivierung erfolgte in der Person des König Salomo und mit seinem Tempelbau. Weitere Quellen finden sich in der Mystik des 13. bis 15. Jahrhunderts, aber auch in der ’christlichen Kabbala’, die der Humanist Johann Reuchlin (1455-1522) in das abendländische Denken einbrachte.

 

Alle Mysterienbünde standen oder stehen im Bann des Rätsels von Tod und Auferstehung. Schon sehr früh erkannte der Mensch, dass sein Leben auf dieser Erde ohne einen tieferen Sinn bliebe, wenn nicht nach dem Tode eine Weiterentwicklung folgen würde. Von Anfang an entstand damit der Glaube an eine mit der irdischen verbundene unsterbliche Natur im Menschen und die Überzeugung, man könne sich durch einen sittlichen Lebenswandel auf eine Unsterblichkeit vorbereiten.

 

Goethe formulierte diesen Gedanken mit:

"Und solang du das nicht hast,

Dieses Stirb und Werde

Bist du nur ein trüber Gast

Auf der dunkeln Erde."

Die Freimaurerei bedient sich der symbolischen Lehrweise im ethischen und kultischen Sinne. Dabei sind die Rituale und Symbolhandlungen grundsätzliche Bestandteile. Ein Sinnbild hat eine spezifische Eigenart, nämlich: die Gedanken des Betrachters zu sammeln und zu konzentrieren. Das soll durch Wort und Handlung in einer Logenarbeit erreicht werden, um den Teilnehmer dieses innere Erlebnis zu vermitteln.

Betrachtet man den Unterschied zwischen einer Bilderschrift und einer Buchstabenschrift, so erkennt man unschwer, die Bilderschrift ist völlig unabhängig von einer Sprache. Eine Buchstabenschrift wird über die Sprachlaute erfasst und geistig umgedeutet.

 

Ist nicht Sprache schon eine Einengung des ursprünglich Gedachten?

Ebenso verhält es sich mit den Symbolen – nicht nur in der Freimaurerei. Es wird immer davon abhängen, wie weit der Einzelne durch Meditation oder Kontemplation die Eindrücke aufnimmt und verarbeitet. Was er für sich daraus gewinnt, ist weder erlernbar noch mitteilbar.

Wir wissen, die Menschheit hat seit ihrer geistigen Bewusstwerdung stets um neue Erkenntnisse gerungen. Sie versuchte zu analysieren und neue Ordnungen zu finden.

 

Wie versteht sich aber der Mensch selbst?

Das wird abhängen von seiner Bildung, seiner Intelligenz und seiner Erfahrung. Dennoch bleibt in jedem etwas Unbegreifliches und Unbenennbares, das rein vom Intellekt her nicht zu definieren ist.

Die Freimaurer bemühen sich nach Selbsterkenntnis und innerer Klarheit und sehen den Menschen eingebunden in den Mikro- und Makrokosmos.

 

In den basic principles der engl. Großloge, verfasst 1723 von dem schott. Pastor James Anderson, sind heute noch gültig und werden als die ‘Alten Pflichten’ bezeichnet. Dort ist nachzulesen, dass der Freimaurer seinem Beruf verbunden ist, dem Sittengesetz zu gehorchen hat, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein dummer Gottesleugner noch ein Wüstling ohne Religion sein. Man könnte es in einem Satz zusammenfassen: Von der Baukunst zur Lebenskunst!

 

Wie steht der heutige Mensch zu den Begriffen Nationalgefühl und Vaterlandsliebe?

Wir müssen nicht weit in unserer Geschichte zurückblättern, denn für Generationen unserer Vorfahren hatten diese Begriffe einen äußerst hohen Stellenwert, um nicht zu sagen den Rang eines sittlichen Höchstwertes. Für sie zählten Treue zum Vaterland und gehorsames Staatsbürgertum zu den Selbstverständlichkeiten ihres Lebens.

Da hat sich etwas geändert. Gerade durch den kriminellen Missbrauch der ‘braunen Machthaber’ in unserem Lande.

 

Im religiösen Glaubensleben der Völker erblicken die Freimaurer ein unerlässliches Fundament.

Daher achten sie jede Glaubensgemeinschaft, die diese Lebensgrundlage pflegt und denken nicht daran, ihren Mitgliedern eine Kirche zu ersetzen oder gar mit dieser in einen Wettbewerb zu treten.

Sie fragen nicht einmal nach, zu welcher Konfession sich eines ihrer Mitglieder bekennt. Wichtig und unerlässlich bleibt jedoch, dass dieses gottgläubig ist, d.h. an ein "Höheres Sein" glaubt, sei es in konfessionellgebundener oder in freier Form.

 

Längst ist unsere Gesellschaft von den verbindlichen Vorgaben befreit, wonach der Bürger die Religion anzunehmen hatte, die sein Fürst für richtig hielt.

Mit der Gründung der Anglikanischen Kirche wurde das kirchliche Leben in England weniger eingeengt als auf dem Festland. Das brachte Entwicklungen, die im Zeitalter der Aufklärung den religiösen und geistigen Blick des Menschen öffneten, wie es vorher nie möglich gewesen wäre.

Die Idee des Deismus, des Gottesglaubens aus Vernunftgründen, entstand. Charles Blount und Matthew Tindal waren die Schöpfer dieser neuen Gottesidee.

 

Was war ihr Inhalt?

Gott ist nicht gegenwärtig wirkend, sondern fern verharrend. Er hat zwar die Welt erschaffen, greift aber nicht weiterhin in die Natur und das Weltgeschehen ein.

Dieses nahmen die großen franz. Philosophen, wie Montesquieu (1689-1755), der die Gewaltenteilung des Staates forderte, Rousseau (1712-1778), hier will ich an sein Werk "Zurück zur Natur" erinnern und Voltaire auf und fanden große Begeisterung und Zustimmung. Voltaire, ein Freimaurer, der mit dem Preußenkönig Friedrich II. in engem Kontakt stand, überzeugte auch diesen. Es war auch dieser große König, übrigens auch ein Freimaurer, der die Folter abschaffte und den berühmten Erlass über die Religionsfreiheit in seinem Lande verfügte, wonach jeder nach seiner Fasson selig werden soll.

Mit dem Beginn der Neuzeit erwuchs in allen europäischen Ländern eine weltliche, auf das Diesseits gerichtete Geistigkeit, die sog. Säkularisation am Beginn des 18. Jahrhunderts. Viele christliche Forderungen sind in den großen geistigen Auseinandersetzungen verweltlicht worden, wovon auch die Freimaurerei nicht verschont blieb.

 

Wir dürfen davon ausgehen, dass kein einziges kirchliches Lehrsystem vollkommen ist. Denn alles, was von Menschen erdacht wurde, ist dem Irrtum unterworfen. Die Toleranz gegenüber anderen geistigen Gemeinschaften gebietet den Freimaurern, die Tradition der Konfessionskirchen so hinzunehmen, wie sie sich darstellen.

 

Unvergessen sind die harten Auseinandersetzungen und unerbittlichen Glaubenskämpfe der vergangenen Jahrhunderte und man muss erkennen, zu den Konfessionskirchen gehören der Dogmatismus und das Ausschließlichkeitsprinzip.

 

Mit der Aufklärung fanden viele Forderungen der Freimaurer Niederschlag in der Gesellschaft. Wer kennt diese schon. Wer weiß, was die damalige und heutige Menschheit diesem Bund zu verdanken hat?

Als Beispiel gilt die amerikanische Verfassung, die 1783 von dem Freimaurer Alexander Hamilton (1757-1804) entworfen wurde und heute noch eine der freiheitlichsten dieser Welt ist. 50 von 55 Mitgliedern der konstituierenden Nationalversammlung, sämtliche Gouverneure der 13 Gründerstaaten, 20 von

29 Generälen Georgs Washingtons und 104 seiner 106 Offiziere waren aktive Freimaurer. Auch der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, Thomas Jefferson, gehörte einer Loge an.

Oder sehen Sie sich die von der UNO 1948 formulierten ‘Menschenrechte’ an.

Dort steht: "Alle Menschen sind frei und gleich geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."

 

Das wird Sie vielleicht an die Losungsworte Liberté, Egalité und Fraternité aus der franz. Revolution von 1789 erinnern. Aber die Begriffe stammen aus einer viel früheren Deklaration der Menschenrechte des Freimaurers Marie-Joseph, Marquis de Lafayette (1757-1834), die dieser für die Loge "L’Amité" zu Aix in Frankreich formulierte. Er war - wie allgemein bekannt - ein französischer General in nordamerikanischen Diensten und ein erfolgreicher Politiker. Er kam als Gesandter der Vereinigten Staaten nach Paris und wurde dort als 73-Jähriger Meister vom Stuhl der berühmten Loge "Les Neuf Soeurs", die heute noch besteht. Seine Losungsworte wurden dann später von Danton, Marat und Robespierre, den Führern der Revolution übernommen.

 

Nun zu dem Thema Freimaurerei und Wohltätigkeit.

Diesen Begriff, der auch die Nächstenliebe beinhaltet, umschreibt man mit dem lateinischen Wort Caritas. Sie geht auf die Wohltätigkeit zurück, d.h. Anteilnahme und Hilfsbereitschaft für Mitmenschen, Verständnis und Menschlichkeit, kurz menschenfreundliche Gesinnung, was mit dem Wort ‘Humanität’ bezeichnet wird.

Schon die alten Steinmetzbruderschaften pflegten für ihre Witwen, Waisen und Invaliden zu sorgen. Diesen Brauch pflegt die Freimaurerei noch heute. So werden bei allen Zusammenkünften am Ende die so genannten ‘Gaben der Liebe’ eingesammelt, die dann einem bestimmten Zweck zufließen. Das heißt jedoch nicht, man würde nun diese Spenden ausschließlich an die hilfsbedürftigen Vereinsmitglieder und deren Angehörige verteilen.

 

In den USA gründeten die Freimaurer Horace und William Mayo vor 100 Jahren die weltberühmte nach ihnen genannte Klinik. Sie wird von den amerikanischen Freimaurern seit dieser Zeit erhalten und unterstützt. Ohne jegliche staatliche Hilfe bringen diese dafür jährlich über 100 Millionen US-Dollar auf.

Was gibt es über die Freimaurerei in Deutschland zu berichten?

Wie überall in Europa waren die neuen Logen von England her eingeführt worden. Dieses erleichterte die Verbindung zwischen dem hannoverschen und dem englischen Hof, als Kurfürst Georg von Hannover den britischen Thron bestieg. 1737 findet man die erste Loge in Hamburg.

Sie trägt den Namen "Absalom zu den drei Nesseln" und besteht noch heute. Ein Jahr später folgte die Gründung von drei Logen in Dresden und 1741 in Bayreuth.

Rasch verbreitete sich dieses Gedankengut und viele große Namen der Geschichte findet man in den Mitgliederlisten.

 

Im NS-Staat, kam es, wie bereits ausgeführt, zum Niedergang. Am 14. Juli 1935 verfügte die nationalsozialistische Regierung die Auflösung sämtlicher Freimaurerlogen in Deutschland.

Freimaurer, wie Carl von Ossietzky (* 1889), Sekretär der Deutschen Friedensgesellschaft, Redakteur, Herausgeber der "Weltbühne", wurde 1931 wegen seiner pazifistischen Einstellung verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. 1933 verhaftete man ihn erneut, verschleppte ihn in das KZ Moorlager in Papenberg-Esterwegen, wo er 1938 an den Folgen verstarb. 1935 erhielt er den Friedensnobelpreis. Oder Wilhelm Leuschner (*1890), er war Gewerkschaftler und Politiker, von 1928 bis 1932 hessischer Innenminister, wurde 1933 verhaftet, kam bis 1935 in ein Konzentrationslager und war anschließend ein leitender Mann der deutschen Widerstandsbewegung. Am 20. Juli 1944 verhaftete man ihn erneut, verurteilte ihn zum Tode und richtete ihn am 29. Sept. 1944 hin. Andere folterte man in den Konzentrationslagern und ermordete sie. Nach den Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten waren die Freimaurer mit am ärgsten betroffen. Über 200.000 verschleppte man in die Konzentrationslager, wo sie ihren Tod fanden. Andere verwies man des Landes. Der Verlust an Amt und Beruf, Schäden am Vermögen, Vernichtung von Leben, ist die fürchterliche Bilanz aus jener Zeit. Der geistige und materielle Schaden war ungeheuer. Allein ein Barvermögen zwischen 80 bis 100 Millionen Reichsmark, Haus- und Grundvermögen, Bibliotheken und Stiftungen liquidierte die Gestapo. Aber die Getreuen, die fest an ein Ende dieses totalitären Regimes glaubten, die trotz Terror die brüderlichen Verbindungen aufrechterhielten, waren es, die aus Schutt und Trümmern das Zerstörte in mühevoller Arbeit wieder aufrichteten. Als aus dem totalen Krieg eine totale Niederlage geworden war, ergaben sich auch für die Freimaurer große Schwierigkeiten.

 

Das Gebiet der damaligen DDR war unter dem kommunistischen Regime, das keine Freimaurer duldete. Dadurch war die Große Landesloge von Deutschland und die Nationalmutterloge ‘Zu den drei Weltkugeln’, beides Großköperschaften, besonders betroffen, da die Mehrzahl ihrer Logen in diesen Gebieten beheimatet war. Auch bestanden in den Logen einige, die sich nach dem ‘Schwedischen System’ verstärkt zur christlichen Lehrart bekannten, andere basierten mehr auf den humanitären Grundsätzen.

Da kommt doch die Frage auf: Was ist der Unterschied?

Dazu eine kurze Antwort: Nahezu keiner.

 

In vielen deutschen Logen lag und liegt die Heilige Schrift auf. In andern humanitären Logen können das auch der Koran, die Thora, die Veden, ein Buch mit leeren Seiten oder das Buch der Menschenrechte sein, was bei den rein christlichen Logen nicht möglich war und ist. Der Neubeginn lässt sich mit dem Jahr 1949 belegen, wo sich 700 Freimaurer von 151 ehemaligen Logen aus Deutschland am 19. Juni in der Frankfurter Paulskirche einfanden, um eine Großloge zu gründen.

 

Seit 2002 besteht in Deutschland eine neue Großvereinigung mit dem Namen "Souveräner GroßOrient von Deutschland" (SGOvD), dessen Mitgliedslogen ebenfalls Frauen und Männer aufnehmen oder als Frauen- oder Männerloge arbeiten.

 

Weltweit bestehen über 34.000 Logen mit mehr als 6 Millionen Mitgliedern.

Alle diese Logen sind eigenständig. Genau so wenig, wie es ‘unbekannte Obere’ gibt, besteht zwischen den Großlogen dieser Welt keine zusammenhängende Organisation. Die Ansicht, die Feimaurerei strebe eine Weltherrschaft an, ist absurd, denn keine ausländische Großloge kann Einfluss auf die Belange einer anderen ausüben. Sie kennen sich untereinander an und ermöglichen ihren Mitgliedern, die sich Brüder und Schwestern nennen, jederzeit den Besuch in einer anderen Loge.

 

Welche Zielsetzung hat die Freimaurerei?

Der enorme Fortschritt, der die Menschheit förmlich überrollt, hat nicht nur gute Seiten. Unbestritten leben wir bequemer und genießen die technischen Errungenschaften. Dennoch suchen und streben viele nach neuen Ideen und Leitbildern. Unser Wirtschaftssystem, das auf dem Gesetz der Konkurrenz beruht und dessen Motor der Eigennutz ist, verleitet dazu, das eigene Geschäft ohne jede Rücksicht voranzutreiben.

Was häufig fehlt, sind ethische Maximen oder mindestens Spielregeln und Verhaltensnormen. Alles Übersinnliche/ Transzendente oder Metaphysische, d.h. von den letzten, nicht erfahr- und erkennbaren Gründen und Zusammenhängen unseres Seins, ist aus dem Leben weitgehend verbannt, und diese Leere füllt zunehmend mit einer Reizüberflutung eine Unterhaltungsindustrie.

 

Dem Freimaurerbund geht es genau um die Entwicklung und Bewahrung ethischer Maximen und Verhaltensnormen. Hier wird die entstandene Leere gefüllt, und zwar von den Werten enger menschlicher Verbundenheit. Man erkennt sich als Bruder oder Schwester, über alle Unterschiede angeborener oder erworbener Art, begegnet sich als Mensch, der letztlich von den Fragen bewegt ist, wie schon Generationen vor ihm: ‘Was bin ich, wie soll ich leben, warum muss ich sterben?’

Damit entspricht der Freimaurerbund dem emotionalen Bedürfnis der Menschen in einer einzigartigen Weise. Denn die Teilnahme an ihren kultischen Feiern bedeutet keinesfalls ein Opfer der Vernunft. Es besteht keinerlei Dogmatik und es gibt keine Glaubensbekenntnisse. Die Sprache und Ritualhandlungen sind rein diesseits orientiert und jedes denkenden Menschen würdig. Dadurch wecken die Freimaurer Empfindungen, bestärken Überzeugungen, vermitteln Menschlichkeit und Brüderlichkeit als Grundlage gegenseitiger Lebenshilfe.

 

Jedes Mitglied kann seine eigenen Ideen und Lebenserfahrungen in diese Vereinigung einbringen. In ihren Zusammenkünften geben sie Anregungen für eine offene und tolerante Lebenseinstellung. Die Freimaurerei sieht sich der Geschichte gegenüber verpflichtet, gegenüber dem Zeitgeist kritisch und für die Zukunft offen. Glaubens-, Gewissens- und Gedankenfreiheit sind für ihre Mitglieder höchstes Gut.

"Wieso werden in vielen Logen noch immer keine Frauen aufgenommen?"

Alle Mysterienbünde, Dombauhütten und Freimaurerlogen waren stets reine Männerbünde. Frauen waren dort unerwünscht.

Die Akzente haben sich jedoch heute wahrnehmbar verschoben. Wer hätte schon vor Hunderten von Jahren daran gedacht, dass Frauen einmal gleichberechtigte Mitglieder einer Gesellschaft sein würden?

Die Emanzipation der Frau ist jedoch in unserer heutigen Zeit ein durchaus mitbestimmender Faktor.

Bei den Freimaurern leitet sich, wie schon ausgeführt, das überlieferte Brauchtum aus den Bauhütten ab und diese – die immer noch fest in den alten Ansichten verwurzelt sind –verweigern weiterhin Frauen eine Mitgliedschaft.

 

Dennoch fand bereits 1921 in Frankfurt am Main die Gründung der ersten Loge, in der Frauen und Männer als gleichberechtigte Mitglieder aufgenommen wurden, statt. Eine zweite gründete sich 1956 in München.

Seit 1982 besteht eine eigene Großloge. Schon 1949 gründeten einige Frauen in Berlin einen Zirkel, den sie "Zur Humanität - Bund freimaurerisch arbeitender Frauen in Deutschland" nannten.

 

Was ist nun die Freimaurerei?

Was sie von Kultverbänden der alten Zeit unterscheidet, ist ihr Inhalt. Im Mittelpunkt stehen ein ethisches Ziel, die Gemeinschaft und das Humanitätsideal. Sie setzt auf Selbsterkenntnis und der Bejahung des Schicksals, in der Betätigung des freien, seiner Verantwortung bewussten Willens. Sie ist eine altehrwürdige Vereinigung von heute freien, sozial aufgeschlossenen und einander zugewandten Menschen, die sich bemühen, die allgemein gültigen alten Ideale der Menschen auf Lebensrecht, Entfaltung der eigenen Kreativität und Bewahrung der Würde bis ins hohe Alter mehr Geltung im Alltag zu verschaffen.

 

Sie ist eine Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen, in einem ethisch-moralisch ausgerichteten Bund. Sie ist eine undogmatische Kultgemeinschaft, die ihr altes Brauchtum, ihre Symbole und Rituale für eine erlebnisreiche, friedensfördernde und gefühlsvolle Vertiefung dieser Vorgaben einsetzt und bietet Angebote für fragende und nach Orientierung Suchende.

Als Bund will sie der zunehmenden Gefahr der Vereinsamung des Menschen in der heutigen Gesellschaft Hilfe anbieten und gemäß ihrer Tradition, Gegensätzliches abbauen, Trennendes überwinden, zur Verständigung und zum Verständnis anregen und Menschen zusammenführen, die sich sonst nicht begegnet wären.

 

Mit diesen allgemein gültigen Wertvorstellungen vermittelt sie Lebenssinn durch Umsetzung und individuellem Einüben von Umgangsstilen, z.B. mit sich selbst, mit den Mitmenschen und den Dingen der Welt sowie der Transzendenz, dem Überschreiten der Grenzen der Erfahrung und des Bewusstseins.

Hierzu eine kurze Zusammenfassung von Antworten auf die Fragen: Was ist Freimaurerei?

 

Im Persönlichen ist es Güte

Im Geschäft ist es Ehrenhaftigkeit

In der Gesellschaft ist es Höflichkeit

In der Arbeit ist es Anständigkeit

Für den Glücklichen ist es Mitfreude

Für den Schwachen ist es Hilfe

Für den Unglücklichen ist es Mitgefühl

Gegen den Bereuenden ist es Verzeihen

Vor dem Schöpfer ist es Ehrfurcht und Liebe

 

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