Fürstbischof

Bayerischer Fürstbischof als führender Freimaurer tätig

 

Nach nahezu 200 Jahren sind Teile des altehrwürdigen Augustiner-Chorherrnstifts auf der Herreninsel im Chiemsee – auch bayerisches Meer genannt - wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Das ursprüngliche Benediktinerkloster gründete um das Jahr 765 der bayerische Herzog Tassilo III. vom Geschlecht der Agilolfinger.

 

Ab 1130 war es ein Stift der Augustiner Chorherrn, die eine dreischiffige, romanische Basilika erbauen ließen, die 1158 vollendet wurde. Seit 1216 bestand dort das Bistum Chiemsee, dem Bistum Salzburg zugehörig. Der Anlass für diese Neugründung war die enorme Ausdehnung des Erzbistums Salzburg. Die Erlaubnis dazu gewährte 1215 König Friedrich II. von Hohenstaufen, dem 1216 Papst Innozenz III. zustimmte. Das Bistumsgebiet umfasste die Region um den Chiemsee bis zum Pass Thurn und das Brixental. Es verfügte über zehn Pfarreien.

 

Ab 1457 führten die Bischöfe vom Chiemsee den Fürstentitel mit einem eigenen Wappen. Das Stift war das Domkapitel, das im 15. Jahrhundert seine größte Blüte hatte. Misswirtschaft sowie Verschuldungen brachte das Stift in der Zeit von 1552 bis 1562 unter eine weltliche Verwaltung. Ein Erblühen fand erst von 1627 bis 1653 unter Propst Arsenius Ulrich statt, der 1642 einen Klosterneubau begann. Der bekannte Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca errichtete von 1676 bis 1678 einen neuen Inseldom, ausgestattet im unübertroffenen Stil der Farbigkeit des Barock. Nach den Plänen von Antonio Rivas folgte 1700 der Ausbau des Fürstenstocks und ab 1727 der Prälaturstock mit gebährdenreichem, häufig mit entgegengesetzten Bewegungsmotiven gestalteten Figurenstil. Namhafte Persönlichkeiten aus verschieden Grafengeschlechtern waren als Fürstbischöfe eingesetzt.

 

Von den 48 in den staatlichen und kirchlichen Archiven namentlich Aufgeführten ist u.a. der von 1773 bis 1786 residierende Fürstbischof Ferdinand Christoph Reichserbtruchsess Graf von Waldburg-Zeil, einer der bedeutendsten Kirchenpolitiker dieser Zeit, zu erwähnen. Dieser immatrikulierte 1729 als Rudimentist in Salzburg und studierte am 1736 am Collegium Clementinum in Rom. Dort verteidigte er 1738 vor 25 Prälaten in einer öffentlichen Disputation Thesen seiner Abschlussarbeit zur Erlangung des akademischen Grades. Er war 1745 Mitglied des Salzburger Domkapitels und ein Jahr später Domherr in Augsburg. Ab 1750 war er am Münchner Hof tätig, um dort über Münz- und Salzfragen zu verhandeln. Aufgrund seines großen diplomatischen Geschicks ernannte man ihn zum Geheimen Rat, wählte ihn später zum Dekan des Salzburger Domkapitels und übertrug ihm weit reichende Kompetenzen in der Finanzverwaltung. 1766 verhandelte er für Salzburg in Grenzstreitigkeiten im Zillertal und war ab 1777 erneut am Münchner Hof als Leiter der dazu nachfolgend anhängenden Verhandlungen tätig. Als Anhänger der Aufklärung und der damit verbundenen Themen kam er in München mit Freimaurern in Kontakt und wurde Mitglied der Freimaurerloge „Zur Behutsamkeit“, der er als Meister vom Stuhl (Erster Vorsitzender) vorstand, obwohl die römische Kurie bereits 1751 mit einer Bulle die Freimaurerei verurteilt hatte. In der Folge kam es zu einem Verbot gegen diese aufklärerischen Männerbünde. Der Fürstbischof gehörte dann der Salzburger Freimaurerloge „Zur Fürsicht“ an. Dort förderte er besonders Wolfgang Amadeus Mozart, der sich später in Wien einer Freimaurerloge anschloss.

 

1803 kam es zur Aufhebung der bayerischen Klöster.

Seit zwei Jahren sind nun Prunkräume im Fürstenstock, Privaträume König Ludwigs II., die er kurzzeitig während des Baus seines Schlossen bewohnte, sowie die vom Verfassungskonvent 1948 benutzten Räume, die Großküche und der Bibliothekssaal, in dem das Museum „Vom Kloster zum Königschloss“ untergebracht ist, wieder zu besichtigen. Zusätzlich besteht im Prälaturstock eine Gemäldegalerie mit Werken von Julius Exter.

 

 

 

© by Werner A. Korn • Verlag für Public Relations • Chiemseestr. 13 • 83233 Bernau